
Aber ist man danach wirklich im Stande die Landschaft zu sehen? Ist man dann nicht vielmehr nur in der Lage, dass zu zitieren, was andere sehen. Ich hab ja vielen gegenüber eine kritische Grundhaltung und bin der Meinung, dass es nicht schadet sich mal Gedanken zu machen und diese auch zu äußern, auch wenn sie nicht der allgemein gängigen Meinung, wissenschaftlichen Erkenntnissen oder Umfrageergebnissen entsprechen. Vor allem in der Interpretation von Kunst sollte der Spielraum grenzenlos sein. Oft wird der Kreis auf das Werk selbst oder den Künstler Beschränkt und der Betrachter, man selbst wird bei der Interpretation ausgeschlossen.
Natürlich hatte der Künstler eine Intention als er an seinem Kunstwerk arbeitete. Wir als Betrachter können aber nur interpretieren, aber nie wirklich wissen, was der Künstler wirklich mit seinem Werk ausdrücken will. Das Werk an sich ist der Ausdruck einer Idee, eines Abstraktum im Geiste des Künstlers, das zu einem sinnlich erfahrbaren Konkretum wird.
Aber wie gesagt können wir nie hunderprozentig wissen, was der Künstler für uns erfahrbar machen will (es sei denn er ist so nett und sagt es uns). Dann setzen die Kopfschmerzen ein (Flick Collection im Hamburger Bahnhof, autsch), weil wir einfach nicht raffen was uns diese riesige rot gelbe Leinwand sagen will.

Wir besuchen Galerien und Museen um im besten Fall um eine bestimmte Wahrheit zu ergründen, eine Offenbarung zu erleben und sind dann enttäuscht, verwirrt und manchmal auch ziemlich angepisst darüber 10 Euro Eintritt gezahlt zu haben, sobald dieses Erlebnis ausbleibt.
Das Problem bei der Betrachtung von Kunst ist, dass wir davon ausgehen, dass jeder Mensch die Welt so wahrnimmt, wie ich sie selbst wahrnehme. Ein Stuhl ist für jeden ein Stuhl, eine Wurststulle für jeden eine Wurststulle und die Tatsache bei Kaisers einzukaufen und ein paar Cent mehr zu bezahlen, statt bei Netto seine Zeit in der Schlange zu vertrödeln ist für jeden unverständlich. Was den Begriff angeht, so ist Stuhl für jeden Stuhl (der Stuhl auf dem man sitzt!). Ob jeder den Gegenstand, der mit dem Begriff Stuhl bezeichnet wird, so wie ich wahrnimmt (oder nur einen Haufen Scheiße sieht) ist für mich jedoch unmöglich zu wissen.
In der Kunst sehe ich das ähnlich. Die Bedeutung eines Werkes ist universal, vor allem schon aufgrund der Tatsache, dass die Kunst an sich (lassen wir jetzt mal die Baukunst, Handwerkskunst, Eiskunstlauf etc. aus dem Spiel) an keinen eindeutigen Zweck gebunden ist.
Meine Idee, also die Idee des Betrachters muss nicht zwangsläufig mit der Idee des Künstlers übereinstimmen. Kunst spricht eine Sprache, die universal gedeutet werden kann, in dem wir unsererseits eine Idee, ein Gefühl entwickeln.Falls das Gefühl auf sich warten lässt und stattdessen doch wieder nur Kopfschmerzen einsetzen, nicht die Hoffnung aufgeben. Ich bin mir sicher, es gibt für jeden die passende Kunst.
Meine kommt aus Schweden und wird gemacht von einem gewissen Martin Formgren.
Bilder, die das scheinbar letzte Aufbegehren einer sterbenden Welt darstellen, die letzten paar Sekunden bevor sie sich im schwarzen Loch der Leinwand verliert. Momentaufnahmen von sich auflösenden Landschaften, tragisch schön. Ich glaub vor Martin Formgren hat es noch kein Künstler geschafft, mich (mit nichtgegenständlicher Malerei) dermaßen zu begeistern und zu faszinieren.
Durch Zufall bin ich in Stockholm in einer kleinen Galerie auf seine Arbeiten gestoßen. Hoffentlich hat man auch bald hier die Möglichkeit seine Bilder zu bewundern. Bis dahin einfach mal seine Webpräsenz besuchen.